Auf Jagd!

Ich habe gestern einen spannenden Tag erlebt! Chefin hat mich zum ersten Mal zur Jagd mitgenommen. Sie findet: Wenn man schon einen Pudel besitzt, kann man dessen jagdliche Anlagen sinnvoll nutzen und ihn als Jagdgebrauchshund einsetzen. Schließlich ist Chefin als Jägerin durchaus nicht unerfahren. Ihr Jägerbrief prangt an der Wand in ihrem Arbeitszimmer. Und einige Trophäen im Flur zeugen von ihrer jagdlichen Passion, als sie noch keine Kinder und Pferde hatte.

Für die Wasserjagd hat Chefin mich allerdings als untauglich eingestuft angesichts meiner Wasserphobie. Aber nach ihrer Einschätzung war sie recht zuversichtlich, dass ich zur Pirsch und zur Stöberjagd wohl taugen könnte. Soviel vorweg: Ich habe diesen in mich gesetzten Vertrauensvorschuss voll gerechtfertigt und mich in der jagdlichen Praxis bewährt.

Wir waren beide aufgeregt. Denn wenn einen erst mal das Jagdfieber packt... Ich habe der Geschichte des Pudels als ambitionierter Jagdhund alle Ehre gemacht und so manche Kreatur aufgestöbert. Die haben Chefin und ich dann erfolgreich zur Strecke gebracht. Das war schwierig genug: Diese Wildtiere tun sehr heimlich, man muss sich konzentriert und vorsichtig heranpirschen, darf dabei keinen Laut von sich geben. Zwischendurch haben wir uns mit Rauch eingenebelt. Zum einen machte dieser uns fast unsichtbar für das Wild. Zum anderen enthielt der Rauch Lockstoffe, um den Fluchtinstinkt der Tiere zu reduzieren. So waren wir jagdlich sehr erfolgreich.  Als eingespieltes jagdliches Team haben wir inzwischen schon level 2 erreicht - wir sind einfach ein Dreamteam!... Na ja, Chefin hatte manchmal leichte Orientierungsprobleme: Ab und zu stand sie vor einem Baum und rieb sich dann eine Beule an der Stirn. Ganz zu schweigen von den Laternenmasten, mit denen sie fast kollidiert wäre. Gott sei Dank hatte sie mich an ihrer Seite. Natürlich habe ich sie vor bleibenden Schäden beschützt. Fast wäre sie auf der Pirsch von einem Auto überfahren worden. Dabei weiß doch jeder Hund, dass man am Straßenrand anhält und nach links und rechts schaut. Nur durch mein beherztes Eingreifen konnte ich Schlimmes verhüten.

Chefins Gesamturteil über mich? "Mephisto, Du bist ein durch und durch perfekter Jagdgebrauchshund!" Kann es ein schöneres Kompliment für einen Pudel geben? Chefin hat unsere erste gemeinsame Jagd beschrieben, lest ihre Version unserer Pirsch:


Mit dem Pudel war ich heut' zur Jagd.

Fast bekam ich einen Herzinfarkt.

Führt doch das jagdliche Fieber

dazu, dass Adrenalin viel intensiver

das Herz durchströmt

und man das Zittern kaum bezähmt.

Das schönste ist dabei die Pirsch -

hier und da Geknirsch, der Pudel etwas unwirsch.

Denn hat man ein Tier erspäht,

ist es so, dass man dann stille steht,

damit das Wild Hund und Jägerin nicht sieht.

Hat man das Wild erlegt,

wird der Pudel gehegt.

Denn er ist der beste Kamerad

auf der Jagd.

Unsere Beute heute?

Liebe Leute,

das war ein großer Tag!

Vom Waidfrausheil ich schreiben mag:

2 Taubsis, 4 Hornlius, 1 Rattfratz -

der dicke ist mein größter Schatz.

So sinken der Pudel und ich ermattet auf unsere Liegen,

der Pudel jagt allenfalls noch Stubenfliegen.

Wir sind so stolz auf unsere Beute -

das reicht für heute.

Morgen jagen wir nach dem nächsten Floh.

Dann ertönt das Kommando:

MEPHISTO GO!


Hornliu!
Jagdkönig!
Rattfratz - unsere fetteste Beute!