Man nennt mich auch den Siegfried von der Elbe!

24.4.2016

Mitten im Garten eine lange blaue Schlange! Glaubt es mir, das war gestern bitterer Ernst für mich! Die Riesenschlange bäumte sich vor mir auf. Sie zischte bösartig laut im Wind und wand sich wie ein Aal. Chefin erblickte die Schlange und erkannte sogleich fachkundig, um welche Spezies es sich bei dieser streng geschützten Art der Lüneburger Heide handelte. Sie nannte die Schlange "Tunnel Constructa". Als sie der Schlange Namen in Kurzform aussprach und das Wort "Tunnel" sagte, verschwand der Wuddel plötzlich in den Untiefen dieser Schlange. Ich dachte "Um Himmels Willen, jetzt wird er im Magen dieser unersättlich zischenden Schlange gefressen, und ich bleibe alleine zurück ohne Wuddels Schutz auf dieser Welt." Doch nach einer gefühlten Ewigkeit tauchte er wieder an der frischen Luft auf und wirkte sogar wider Erwarten unversehrt und sehr fröhlich. Dann sprach Chefin die Schlange erneut mit ihrem Namen an, tätschelte sie geradezu liebevoll - worauf die Schlange extra laut und fressgierig zischte - und schaute mich dabei aufmunternd an. Ich blickte unsicher zu ihr hoch. Wollte sie mich wirklich dem dunklen Schlund der Schlange zum Fraße vorwerfen? Mir fielen alle meine Sünden der letzten sechs Monate ein. So schlimm waren die doch aber nicht gewesen, dass Chefin mich nun als Schlangenfutter entsorgen wollte? Mochte ja sein, dass die Schlange den Wuddel wieder ausgespuckt hatte - der ist eh' fett und viel zu pelzig, er würde mir auch nicht schmecken. Aber mein zartes Pudelfilet, eingelegt in einen sanften Lockenmantel, wäre bestimmt die reinste Delikatesse für dieses furchteinflößende Exemplar der Gattung "Würgeschlange". Wie immer blieb Chefin stur. Sie sprach mir ermutigend zu. Dann schmiss sie meine Lieblingsleckerlies in den Schlund der Schlange. Schon war es um mich geschehen! Meine Leckerlis sollte diese falsche Schlange nicht bekommen! Die Leckerlies musste ich unbedingt retten - und wenn das meine letzte Henkersmahlzeit würde! Ich streckte meine Muskeln und mutierte zum Löwen! Todesmutig begab ich mich in den Schlund der Schlange auf der Suche nach meinen Leckerlies. Ich fand sie und konnte sie durch einen Hechtsprung und beherztes Zubeißen retten. Hauptsache, die Schlange bekam sie nicht! Allerdings war ich den Leckerlies etwas unüberlegt hinterher gesprungen - ich saß in der Falle! Zurück konnte ich nicht! Vor mir sah ich indes plötzlich einen winzigen Lichtschimmer, der mir Hoffnung gab. Also spurtete ich tapfer in Richtung Licht. Die Schlange gab sich alle Mühe mich festzuhalten und in den Würgegriff zu nehmen. Sie hatte sich inzwischen zu einem 90 Grad - Winkel gekrümmt, so dass ich mich mit aller Kraft durchkämpfen musste. Irgendwann sah' ich die Sonne - Freiheit und Leben!

Ich hatte die Schlange tatsächlich besiegt! Schlapp lag sie nun am Boden, zusammengerollt gab sie keinen Ton mehr von sich. Chefin umarmte mich mit den Worten: "Meffel, Du bist ein Held! Du bist der Siegfried der Lüneburger Heide, der Drachentöter von der Elbe!" Wäre ich nicht so schwarz und braun im Gesicht, hätte man meine bescheidene Röte erkennen können. Gibt es für mich etwas schöneres als den Stolz meiner Chefin? Definitiv nicht! Für meine Chefin - und natürlich für meine Leckerlies - würde ich glatt auch durch's Feuer gehen...

Es grüßt

Mephisto, der Drachentöter!

Tunnel Constructa - Ich habe sie besiegt!