Essen in Deutschland

Liebe Pudelkameraden,

Laura, unser Gast aus Kolumbien, fragte neulich bei einer gemeinsamen Mahlzeit in die Runde: Essen die Deutschen eigentlich immer so viel? Da ich wie immer artig unter dem Tisch lag, hörte ich die Frage und wurde sofort sehr nachdenklich. Laura erklärte, in Kolumbien gäbe es zwar auch mehrere Mahlzeiten am Tag. Jedoch würde man sich häufig mit einfachen Dingen begnügen wie einem Schälchen Reis mit etwas Salat. Die Mengen seien viel geringer.

Ich dachte nach: In der Tat futtern die Deutschen ganz gut. In Deutschland gelingt es selbst dem dümmsten Hund  nicht zu verhungern. Eher gibt es ein Futterangebot im Überfluss, so dass die Gefahr der Verfettung viel größer ist. Außerdem machen uns die Medien ganz wuschelig hinsichtlich der richtigen Ernährung: Fleisch oder Gemüse? Vitaminzusätze oder Natur? Fertigkost oder alles selbst gemacht? Diätnahrung, Vollnahrung? Vitamintabletten oder mehr Obst? Billigfleisch vom Aldi oder Demeter? Barfen oder TroFu? Ganze Foren beschäftigen sich damit, wie schlimm ein Tag ohne Nahrungsaufnahme ist und woran das liegen könnte.

Ich will keinen langen Vortrag halten. Aber:

Auf seine schlanke Linie kann man als Hund selbst achten und sollte das auch tun: Ich bin durchaus in der Lage, auf meinen Körper zu hören. Wenn ich genug habe, kann der Fressnapf noch so voll sein. Ich lasse den Rest dann stehen. Umgekehrt kann ich sehr ungnädig und fordernd werden, wenn meine Chefin mir weniger in den Napf gefüllt hat, als ich gerade an dem Tag für mein Wohlbefinden brauche.


Gott sei Dank habe ich eine recht verständnisvolle Chefin, die meinem Futterinstinkt vertraut. Na, und in der Regel stimmen die Portionen ohnehin, weil meine Chefin meinen Bedarf ganz gut einschätzen kann. Die verlässt sich auch nicht sklavisch auf die Mengenangaben, die in diversen Anleitungen stehen oder auf Messbechern abgebildet sind, sondern folgt eher ihrem Gefühl. Sie lässt mich auch gewähren, wenn ich mal ohne Futter auskommen möchte. Während meines Zahnwechsels z.B. musste ich mich schonen. Manchmal, wenn ich mal was komisches gefressen (na ja, auch ein Pudel klaut mal vom Komposthaufen oder nascht unterwegs in unbeobachteten Momenten) und dann alles wieder ausgespuckt habe - von Kotzen möchte ich als Pudel eher nicht sprechen - und mir einigermaßen kodderig zumute ist, lässt sie mich auch ganz in Ruhe mit dem Fressen. Ich hole mein Pensum dann schon wieder auf in den nächsten Tagen. Die  Futterqualität stimmt auch im großen und ganzen. Na ja, Hühnerhälse könnte es schon noch öfter geben. Ich sterbe ehrlich gesagt aber auch nicht, wenn es mal Trockenfutter gibt. Das schmeckt durchaus sehr passabel. Übrigens scheint meine Ernährung ganz gut zu funktionieren: Ich bin ein schlanker und ranker Pudel.


Summa summarum meine ich: man soll sich vernünftig ernähren, aber nicht vor lauter Dogmen und vermeintlich wissenschaftlicher Akribie den Spaß am Essen und das Vertrauen in den eigenen Instinkt verlieren.  


Hier also mein Appell an alle Pudelkameraden und sonstigen Kreaturen: hört auf Euren Körper und verlasst Euch auf Euren Instinkt. Lasst Euch von der ganzen Futtermittelindustrie nicht völlig wuschig machen. Dabei bin ich zutiefst davon überzeugt, dass dieser Instinkt gerade bei uns Pudeln gut ausgeprägt ist. Wir sind einfach wunderbare Hunde! Wenn ich dagegen mitbekomme, wie Angehörige anderer Rassen sich ihre Plautze vollstopfen - furchtbar! Na, dass ich ein kleiner Rassist bin, dazu habe ich mich ja schon bekannt. Dass mein Herz allerdings für die Kolumbianer schlägt, dürfte sich auch schon

herumgesprochen haben. Und Laura hat eine echt gute Figur. Also halten wir uns an die Kolumbianer! Vom Hunger in der Welt will ich gar nicht erst anfangen zu erzählen - das wird mir zu pathetisch. Aber ab und zu denke ich schon daran, wie gut es mir in Deutschland geht.

Gerade, 2.2.16, hat Chefin einen interessanten Artikel eines meiner Hundekollegen von einem bekannten und namhaften Tierarzt entdeckt, der sein Hundefutterkonzept ABAM nennt. Die Lektüre lohnt unbedingt -  der Inhalt kommt mir sehr entgegen!


Jetzt habe ich Hunger...

Heute Abend ist Fleisch mein Gemüse!

Na denn: Ich hau jetzt rein!

Euer Mephisto